Transkription: Parasoziale Beobachtungsverhältnisse

Michael: Ja, von mir aus können wir auch anfangen.

Klaus: Dann fang an.

Michael: So, wir hatten uns als Thema “Parasoziale Kommunikation” vorgenommen. Ich weiß ja, dass Du Dich schon länger damit beschäftigst. Du hast darüber schon Blogbeiträge geschrieben. Davon habe ich bestimmt auch welche gelesen. Aber es ist mir schlagartig am 8. November klargeworden, als diese Election war in den USA. Da habe ich CNN geschaut, noch vor Auszählung der Wahlergebnisse. Da haben die die ganze Zeit gesprochen von den Hispanic Votes und von den African American Votes, also von verschiedenen sozialen Gruppen eben, die für die Journalisten sehr wichtig waren in ihrer Berichterstattung. Ich habe mir die ganze Zeit gedacht: “Was für ein Schwachsinn.” Das ist eine Form von parasozialer Kommunikation die da betrieben wird. Sie suchen sich irgendeine Gruppe aus, als sei es eine homogene Gruppe über die man Aussagen treffen könnte und in Wirklichkeit verdeckt diese Praxis viele Zusammenhänge.

Das hat sich auch spätestens am Morgen des 9. November gezeigt, als nämlich die Wahlergebnisse der US Präsidentschaftswahl gezeigt haben, dass es ganz anders gekommen ist, als es die Meinungsforscher vorhergesagt haben. Da habe ich mir gedacht, das könnte ein schönes Beispiel für parasoziale Kommunikation sein und zwar umgedreht. Parasoziale Interaktion ist ja schon länger ein Thema, zu dem es Studien gibt. Ich habe hier auch ein Büchlein von Hartmann was genauso heißt. Darin geht es um solche Phänomene wie die, die wir letztes mal besprochen haben in Zusammenhang zu Professionalitätsmagie. Es wird untersucht, wie Menschen jahrelang Nachrichtensprechern zuschauen und zu denen eine persönliche Beziehung aufbauen. Wenn diese Nachrichtensprecher etwa mal in Urlaub sind oder krank, fangen Zuschauer an Liebesbriefe zu schicken, oder Genesungswünsche oder andere Sympathiebekundungen, weil sie zu dieser vermeintlichen Person des Nachrichtensprechers eine Beziehung aufgebaut haben. Allerdings eine sehr einseitige Beziehung, weil der Nachrichtensprecher natürlich nur immer sendet ohne zu wissen an wen. Bei den Meinungsforschungen im Zusammenhang mit der US Präsidentschaftswahl handelt es sich um das umgekehrte Phänomen, weil diejenigen, die die parasoziale Interaktion, also die parasoziale Beziehung haben, nicht mehr diejenigen sind, die auf der Rezipientenseite sitzen, sondern umgekehrt, die Medienmacher selber.

Klaus: Genau. Zunächst, ob es so etwas wie parasoziale Interaktion gibt, kann man fraglich setzen. Die Frage ist ja, findet überhaupt Kommunikation statt? Das Phänomen, das Du beschreibst ist lange bekannt. Es ist schon Mitte bis Ende der 50er Jahre beobachtet worden, als in den USA das Fernsehen angefangen hat. Schon passierte es, dass die ersten aufmerksam geworden sind auf dieses Verhalten von Fernsehzuschauern, die Soap Operas geguckt haben, die da schon gesendet wurden. Der Name Soap Opera kommt daher, dass irgendwelche Serien gezeigt wurden, die von Seifenwerbung unterbrochen worden sind. Die sind immer Vormittags gezeigt worden, weil dann die Hausfrauen zugeguckt haben. Da wurde dann immer Waschmittelwerbung gezeigt und daher kommt eben dieser Name Soap Opera. Man hat eben dann schon festgestellt, dass die dann angefangen haben diese Leuten, die da vorstellig werden im Fernsehen, wie man das sehen kann, anzusprechen. Wissend übrigens, dass es keinen Rückkanal gibt. Deshalb sind die Forscher darauf aufmerksam geworden, weil sie das nicht einfach als pathologisch auffassen konnten. Nicht pathologisch deshalb, weil die Leute ja wussten, es ist ein Bildschirm, ein technischer Apparat dazwischen. Da findet keine Kommunikation eigentlich statt, aber trotzdem konnten die so etwas beobachten. Das haben die dann parasoziale Interaktion genannt. Daher kommt dieser Begriff, weil ja eigentlich keine Kommunikation stattfindet. Trotzdem geben die Leute zur Auskunft, eben mit dem was sie da sehen und hören sich auf irgendeine Art und Weise zu identifizieren, sich damit zu beschäftigen. Dieses Problem ist in der Soziologie, oder auch in der Kommunikationswissenschaft eher maginal. Ich habe dazu mal einen Vortrag gehalten vor einiger Zeit, ich habe dazu auch mal recherchiert. Es gibt echt nur eine Hand voll Studien dazu. Du kannst also tatsächlich dieses Studienloch zählen. Vor allem Dingen kannst Du das dann feststellen, wenn immer wieder die selben zitiert werden. Ich habe jetzt nicht genau den Namen dieser amerikanischen Forscher im Kopf, aber das spielt ja auch keine Rolle. Man kann das wirklich zählen. Dann passiert es natürlich ganz schnell, dass dann dieser Begriff der parasozialen Interaktion weiterverwendet wird und vermischt wird mit Annahmen über Kommunikation, die eigentlich damit gar nichts mehr zu tun haben. Auf einmal heißt alles mögliche parasoziale Interaktion. Etwa wenn man anfängt mit Bäumen zu sprechen, oder mit Tieren. Oder wenn man anfängt zu beten oder so. Auf einmal wird alles subsumiert unter parasozialer Interaktion, weil dann immer gesagt wird, da würde ja so etwas ähnliches stattfinden.

Michael: Ich habe mich auch gefragt, wie man denn diesen Begriff, also diese Unterscheidung zwischen sozial und parasozial… Wie kann man das denn mit dem Luhmannschen Kommunikationsbegriff fassen? Da habe ich mir auch gedacht, dass wir uns ja bereits über den sozialen Verstehenszirkel unterhalten hatten. Kommunikation eben als Einheit der Selektionen aus Information, Mitteilung und Verstehen. In diesem Zusammenhang. Wir hatten uns auch neulich auf Twitter darüber unterhalten, ob man das Internet als System fassen kann und über die Unterscheidung zwischen allopoietischem und autopoietischem System. Im Prinzip kann die Differenz von Information und Mitteilung nur ein Dritter beobachten. Wenn man von ursprünglichen Annahmen eines Empfänger/Sender Modells ausgeht fehlt hier dieser Dritter. Die Beobachtung der Kommunikation ist von einem Beobachter. Also einer Dritten Instanz. Der muss feststellen, dass Kommunikation stattfindet.

Klaus: Genau. Das ist ja genau der Punkt. Zunächst nochmal zurück zu diesem Begriff der parasozialen Interaktion. Diese Begriffsbildung ist angepasst auf ein Verständnis von Kommunikation das eigentlich nur eine parasoziologische Begriffsbildung beinhaltet. Was heißt parasoziologisch? Die Vorsilbe para heißt fast, oder beinahe, oder noch nicht. Das meint para. Es ist eine fast Interaktion, eine parasoziale Interaktion. Es ist eine noch nicht zustandegekommene Interaktion.

Michael: Würdest Du nicht sogar sagen, dass es das Gegenteil ist, von sozial?

Klaus: Ja, klar. Parasoziale heißt eben noch nicht, oder noch nicht ganz. Oder beinahe oder so etwas. Wie kommt diese Art der Begriffsbildung zustande? Die kommt deshalb zustande, weil man versucht Kommunikation in Begriffen von Handlung zu erklären. Bei Versuchen Handlung zu objektivieren und damit Kommunikation als ein Geschehen aufzufassen, das durch Handlung hervorgerufen wird. Wenn man das so auffasst, dann ist tatsächlich dieses Verhalten der Leute, die also vor einem Bildschirm sitzen und versuchen nun mit irgendwelchen Personen Kontakt aufzunehmen, die sie da sehen, von denen sie wissen, dass sie nicht antworten können, sehr merkwürdig. Das ist dann sehr sehr merkwürdig, weil man sich ja fragt, warum machen die das, wenn die ja wissen, dass es nicht geht. Wenn man Handlung also auffasst, als die Kommunikation verursachende Operation, dann kann man dieses Verhalten nur sehr seltsam finden und dann haben die ein ganz großes Problem, diese Forscher, auf einmal, wenn sie das auch nicht einmal als pathologisch auffassen können. Denn könnte man es als pathologisch auffassen, hätte man eine Erklärung dafür. Das man sagt: “Ja, du redest mit einem Baum!” oder “Du redest mit einem Bildschirm. Du bist nicht ganz dicht im Kopf.”. Aber wenn sie das eben nicht können, also wenn sie feststellen, dass die Leute, die sie darum um Auskunft bitten, wissen, worum es da geht, dann könne sie es nicht mehr als pathologisch auffassen und dann stehen sie rätselratend davor. Dann wissen sie eigentlich gar nicht, womit sie es zu tun haben. Wenn sie es nicht pathologisieren können wissen sie nicht weiter. Woher kommt das, dass sie nicht weiter wissen? Antwort: Sie kommen desshalb nicht weiter, weil sie von Annahmen ausgehen, die das was sie beobachten und beschreiben nicht erklären können, wenn sie nämlich sagen, Kommunikation wird durch Handlung verursacht. Dann stehen sie vor einem Rätsel. Denn der Forscher negiert, oder streicht sich selber als Beobachter heraus. Denn mindestens der Forscher beteiligt sich an Kommunikation mit denen, denen er dieses parasoziale Verhalten zurechnet. Er streicht sich selber heraus und damit kann er sozusagen das Handeln der beobachteten objektivieren aber sich selber streicht er einfach selber heraus und dann stehen sie vor einem Rätsel. Dann können sie es nicht erklären.

Michael: Was sind denn die gängigen Erklärungsansätze aus den Studien, die Du kennst?

Klaus: Sie fangen dann Psychologisieren an. Der gängige Erklärungsansatz ist das Psychologisieren. Sie versuchen sich mich irgendwelchen Idolen zu identifizieren, sie versuchen mit diesen Leuten, die ja für sie mehr oder weniger dann für sie auf dem Bildschirmen für sie als Phantome erscheinen Gemeinsamkeiten zu erfinden, sie versuchen eine gemeinsame Geschichte sich auszudenken. Sie psychologisieren.

Michael: In diesem Büchlein hier habe ich das auch so gelesen. Es wird schon leicht pathologisiert, insofern, als dass unterstellt wird, dass Leute dafür anfällig sind, für diese parasoziale Interaktion mit diesen Fernsehpersönlichkeiten, die einsam sind, oder so etwas. Die eine besondere Anfälligkeit eben dafür haben sich Beziehungen einzubilden zu Personen, die es gar nicht gibt.

Klaus: Genau, zum Beispiel. Im wesentlichen wird psychologisiert. Das fungiert dann als Erklärungsansatz, weil sie ja, wenn sie sagen, Handlung verursacht Kommunikation und dann beobachten sie Handlung, die keine Kommunikation verursachen kann, weil sozusagen ein technischer Apparat dazwischen ist, der dies verhindert. Und wenn sie feststellen, dass es trotzdem geschieht, dann können sie eigentlich nur ein Rätselraten über die Menschen anfangen. Was sind das für seltsame Menschen, oder was geht in denen vor, das sie so etwas trotzdem tun, wenn sie doch wissen, dass es nicht geht. Weil sich da so schnell Aporien zeigen in der Erklärungsbildung kann dieses Thema nur marginal behandelt werden. Marginal heißt also, es wird in der Soziologie ab und zu zitiert, in der Psychologie, ab und zu noch in der Pädagogik oder Medienpädagogik, oder so, aber das ist ein ganz marginales Phänomen und konnte bis zu Zeiten des Internets auch nur als marginales Phänomen behandelt werden. Ab und zu. Jetzt passiert natürlich mit dem Internet etwas ganz anderes. Jetzt passiert auf einmal das, was man da als parasoziale Interaktion auffassen konnte immer häufiger. Ich hab das jetzt neulich wieder erlebt. Ich war in Köln unterwegs. Leute laufen über die Straße und reden einfach. Wenn Du siehst, dass sie noch in einen Apparat hineinsprechen, dann kannst Du noch sehen: “Naja, sie reden vielleicht. Sie telefonieren gerade.”. Aber manchmal haben sie ja das nicht einmal. Sie haben ja häufig nicht einmal etwas in der Hand und meistens siehst Du nicht einmal Ohrstöpsel, oder so. Sind vielleicht unter einem Schal verdeckt, oder so. Die Leute reden einfach. Als wir in Berlin waren da bin ich neben Manu Forster gelaufen. Er hatte so einen kleinen Tablet PC. Während wir gelaufen sind, als wir in dieses Deja Vu gegangen sind hat er einfach mit jemandem gesprochen und er hatte den Lautsprecher an. Das war ein schlechter Sound, aber ganz selbstverständlich lässt er Menschen auf der Straße an, es ging um nichts wichtiges und es war nicht interessant, aber ganz selbstverständlich lässt er Menschen auf der Straße, die neben ihm laufen, oder die ihm entgegenkommen, an dem Gespräch teilhaben. Also nicht nur seine Stimme zu hören, sondern auch die Stimme des anderen, indem er den Lautsprecher anstellt. Jetzt auf einmal stellen wir fest, und bald haben wir das Internet der Dinge, also dass irgendwann auch Kaffeeautomaten und die Heizungsanlage und weiß ich nicht Daten austauschen und irgendwann kannst Du auch wirklich anfangen mit Deinem Kühlschrank zu sprechen. Also irgendwann dürfte es möglich sein, dass Du durch Sprachmitteilung Deinem Kühlschrank irgendwelche Temparaturen einstellen kannst, oder was weiß ich. Oder, dass Du Dein Auto herbeikommandieren kannst. Also irgendwann dürfte es gehen. Das heißt, dass auf einmal, was diese Forscher schon in den Fünfzigerjahren beobachtet haben, worauf sie eben ratlos reagiert haben, dass das jetzt auf einmal anfängt immer normaler zu werden und zwar deshalb weil die Maschinen jetzt tatsächlich anfangen, antwortfähig zu werden. Immer besser antwortfähhig zu werden. Wo man sich ja fragen muss, findet eigentlich Kommunikation statt? Jetzt auf einmal stellen wir fest, dass die Kommunikation gar nicht, wenn sie denn stattfindet, gar nicht daran geknüpft ist, ob sie denn mit Menschen stattfindet, oder nicht. Es kann eben auch einfach nur ein Computer sein. Das kann eben auch klappen. Jetzt auf einmal stellen wir fest, dass Kommunikation kein menschliche Kommunikation ist, sondern nur eine soziale Funktion. Und nichts anders. Kommunikation ist nichts menschliches, sondern eben nur etwas soziales. Menschen tauchen allenfalls auf als Instanzen, denen man Handlung zurechnen kann. Aber jetzt kriegen wir in Erfahrung, vielleicht auch einem Computer, vielleicht auch einem Kühlschrank, in dem ja auch nur ein Computer eingebaut ist, vielleicht kann man Handlung auch einer Heizungsanlage zurechnen, einem Auto, einem Satelit, oder sonst irgendetwas. Weil die ja jetzt auch antwortfähig werden.

Michael: Wo liegt denn noch der Gewinn dabei, zwischen Menschen und anderen Dingen zu unterscheiden?

Klaus: Der Fällt weg. Das ist genau der Punkt. Wenn man immer annimmt, dass Kommunikation durch Handlung erzeugt wird und wenn man annimmt, dass nur Menschen handlungsfähig sind. Die Annahme ist ja plausibel, weil Handlung dadurch auffällt, dass sie nicht hätte passieren müssen. Als ich jetzt in Köln war hatte ich ein schönes Gespräch mit einer Soziologin, die hat das ganz wunderbar erklärt. Man könne durchaus sagen auch ein Tisch kann handeln. Sie hat versucht Handlungsträgerschaft zu erklären als aufgegliedert in graduelle Fähigkeiten. Ein Tisch hat nur mindermäßige Kompetenzen zu handeln. Er kann halt nur da stehen. Mehr kann er nicht. Er kann das nicht ändern. Wenn er handlungsfähig wäre nur minderhandlungsfähig. Dann hast Du eben höhere Handlungsfähigkeit. Von Tischen zu Lebewesen, von Lebewesen zu Menschen und schließlich auch von Menschen zu Göttern, oder zu einem Gott, oder so.

Michael: Das ist ja ein bischen so ähnlich, wie in der Actor-Network-Theory, wo zwischen Akteuren und Aktanten unterschieden wird und eben auch einem Türgriff diese Aktantenfähigkeit zugeschrieben wird, weil die Form des Türgriffes und weil er einen bestimmten Schließmechanismus hat eben auch vorgibt, wie man diese Tür überhaupt bedienen kann.

Klaus: Genau das hat sie besprochen. Sie hat also nur versucht ein Kontinuum an Handlungskompetenzen aufzugliedern, aber eben immer noch beibehalten, das macht Bruno Latour ja auch, beibehalten, dass Handlungen die Kommunikation irgendwie hervorbringen. Und genau diese Annahme nenne ich nun parasoziologischer Begriff, der immer davon ausgeht, es gäbe irgendiene erste Instanz für Kommunikation, die nicht aus Kommunikation besteht, sondern aus etwas anderem. Nämlich aus Handlung, aus Menschen, aus Ideen, aus Absichten, aus Motiven, oder so etwas. Also auf etwas anderes zurückführbar. Luhmann ist derjenige, der da einen Strich durch die Rechnung macht und sagt: “Nein, so ist das nicht. Kommunikation lässt sich nur auf Kommunikation reduzieren.”. Der Luhmann ist der einzige, den ich bislang gefunden habe, mindestens in der Soziologie, der eben eine solche parasoziologische Begrifflichkeit ablehnt und jetzt eine soziologische Begrifflichkeit einführt und sagt: “Kommunikation nicht ohne Handlung, aber eben darauf nicht vollständig zurückführbar.”. Also nicht vollständig! In diesem Kommunikationsmodell ist es dann ohne weiteres möglich, nicht nur verschiedenes als Handlung aufzufassen, sondern auch verschiedene Handlungsinstanzen als involviert in Kommunikation zu akzeptieren. Eben dann nicht Menschen – sicher, soweit wir bislang wissen hauptsächlich – aber jetzt eben nicht mehr nur Menschen, sondern jetzt auch Computer, jetzt auch Telefone, jetzt auch Türgriffe. Oder jetzt auch Tiere oder Geister und Dämonen, aber dann zu sagen, es kommt nicht darauf an. Für ein Erklärungsmodell kommt es nicht darauf an, wer handelt und warum, sondern zunächst nur, dass gehandelt wird und wie die Kommunikation Handlung beobachtbar macht und Handlungen anschlussfähig macht und wie sie aus Handlungen Kommunikation synthetisiert. Das ist genau das. Die soziale Funktion. Dass die Kommunikation eben Handlungen synthetisiert zu etwas, das sich auf diese einzelnen Bausteine nicht zurückführen lässt. Das ist ein soziologischer Kommunikationsbegriff. Der parasoziologische Begriff sagt, wir haben irgendwelche Sichtbarkeiten am Anfang. Irgendwelche Kausalitäten. Wir haben Ursprünge, wir haben Gründe, wir haben irgendetwas, worauf man es zurückführen kann und scheitert ständig daran. Unter diesen Bedingungen ist dann auch so etwas wie parasoziale Interaktion auffällig geworden, weil man eben davon ausgeht. Jetzt auf einmal verwickeln wir uns aber in Kommunikationen, wo tatsächlich Handlungsträgerschaft eigentlich blödsinnig geworden ist. Das heißt, wo wir eigentlich in Verhältnisse kommen, wo parasoziale Interaktion der normale Fall wird. Ich glaube nun, dass wir unter dieser Bedingung einen soziologischen Begriff von Kommunikation sozial besser erklären können, als wenn wir eben ihn erklären müssen, wenn wir eben in Wissenschaft, also an Universitäten… besser gesagt in der Wissensproduktion in Organisation verwickelt sind. Denn da kommen diese parasoziologischen Begrifflichkeiten zustande.

Michael: Da denke ich auch wieder an diese Medienberichterstattung über Hispanics und so weiter. Auch das kommt über Organisation zustande. Nicht nur Sender, sondern auch durch die Zusammenarbeit mit Universität und Meinungsforschungsinstituten. Der eine braucht irgendwelche Informationen, die anderen basteln irgendwelche Informationen. Auf diesem Weg, in diesem Organisationschaos und diesen strukturellen Kopplungen zwischen diesen unterschiedlichen Systemen bleibt das eben auf der Strecke, die Reflexion über den Kommunikationsbegriff.

Klaus: Genau. Lass uns zunächst noch klären, wo diese parasoziologischen Begrifflichkeiten herkommen. Die entstehen natürlich, weil versucht wird, soziale Realität zu objektivieren. Soziale Realität zu objektivieren war eine geniale Idee. Bei Max Weber, oder auch schon bei Durkheim, zu sagen, soziale Realität ist nicht Wissen und auch nicht Erkenntnis, sondern Handlung. Handlung. Mit dieser Annahme konnte nun auf einmal soziale Realität auch noch versucht werden zu objektivieren, indem man versucht Handlung zu objektivieren. Wozu führt das? Das führt dazu, dass derjenige, der so argumentiert sein eigenes Handeln sichtbar macht. Beziehungsweise sich jetzt auf einmal sich auf dieses sich so mitteilende Handeln ansprechbar macht.

Michael: Was für ein Handeln ist das? Meinst Du das hängt zusammen mit der steigerung des Menschenunvermögens? Also mit dieser Annahme der kritischen Denkfähigkeit und letztlich Kant?

Klaus: Das Handeln, in dem man versucht Theorie zu erklären. Stell Dir vor ich sage nun, soziale Realität entsteht durch Handlung. Jetzt mache ich Dich auf meine Handlung aufmerksam. Indem Du mich so reden hörst. Jetzt sprichst Du mich auf meine Handlung an. In dem Augenblick kann ich jetzt, indem Du mich auf meine Handlung ansprichst sagen, es ist sinnbestimmte Handlung. Es ist von mir bestimmte Handlung. Jetzt kann ich mein Scheitern rechtfertigen, indem ich weiter handle. Das geschieht unter gesicherten Verhältnissen. Nämlich in dem Fall, wenn wir es wissenschaftlich sehen, gesicherten Verhältnissen einer eingerichteten Fachwissenschaft, nämlich an den Universitäten. Jetzt kann nämlich der Theoretiker sagen: “Ich habe gehandelt und ich sehe dich auch handeln, indem du rückfragst, indem du Zweifel äußerst.” oder so etwas. Jetzt kann ich das mit Sinnbestimmung versehen und jetzt kann auch einmal versucht werden das zu verobjektivieren. Das Scheitern kann immer wieder dann dazu führen, Rechtfertigungen vorzunehmen. Das Scheitern eben an den theoretischen Annahmen. Ich rechtfertige mich einfach. Genau das machen widerum die empirischen Sozialforscher. Das fragen die dann wieder ab.

Michael: Das ist letztendlich das Wissenschaftliche daran. Dass sie das untersuchen, was sie selber hervorgebracht haben in gewisser Hinsicht.

Klaus: Ja, aber das interessante ist, dass sie es zunächst als Problem dadurch in Erfahrung bringen, dass sie es verobjektivieren. Sie scheitern dann vollständig immer wieder, aber dieses Scheitern widerum differenziert nur das Problem. Die Bekanntschaft mit dem Problem. Sie scheitern fortwährend daran und immer wieder wird gerechtfertigt. Immer wieder wird neu angefangen. Immer wieder werden Einwände gebracht, immer wieder werden Definitionen neu versucht. Also immer wieder geht das gleiche Schema von vorne los. Auf diesem Wege entsteht eine Vielzahl von Defitionen, von Texten, von Bildern, von Annahmen, von Vermutungen, von Strategien, die irgendwann dann dazu führen, dass soviel Text in Umlauf ist, dass so viel Theorie, dass soviel theoretische Ansätze in Umlauf sind, dass dann noch so jemand wie der Luhmann kommen kann und dann sagen kann: “Innerhalb dieses ganzen Voraussetzungsreichtums setze ich nun etwas anderes voraus. Nämlich, dass Kommunikation nicht vollständig auf Handlung zurückführbar ist.”. Jetzt kann er all diese Literatur zitieren, die ja nicht falsch ist. Die sind ja nicht einfach falsch, sondern die sind nur parasoziologisch. Luhmann macht daraus nun soziologisches. Das kann er innerhalb dieses Voraussetzungsreichtums machen. Deshalb ist sie eben in den 70er Jahren entstanden. In den 80ern. Als der Output eben schon so groß war, dass eben keiner mehr alles überschauen kann. Weil jetzt eben die Unüberschaubarkeit in eine soziologische Theorie umschlägt. Interessanterweise ist Luhmann aber selber nur ein Außenseiter gewesen und auch seine Nachfolger bleiben es bis heute. Ist ja klar, weil nämlich die Strukturen, die darauf hin entstanden sind, also insbesondere an den Universitäten. Das ist natürlich ein sich selbst reproduzierender Machtapparat, nämlich Universität, der jetzt auch noch die Luhmannschen Schriften anschließend verobjektiviert. Sie machen einfach weiter. Das kannst Du jetzt sehen bei diesem Hartmut Rosa.

Michael: Ja, aber sie machen nicht so schön weiter. Das hat ja was, sagen zu können: “Das ist nicht alles dumm, sondern ich kann das alles aufsaugen irgendwie und weiterverarbeiten.”. Während vielleicht neuere Luhmannianer eher in eine Abgrenzungshaltung geraten müssen und sich als differenzierter Bereich betrachten müssen und das andere nicht mehr richtig zulassen können. Ich weiß nicht, ob Du diese Einschätzung teilen würdest. Wenn man eben heute noch diese Systemtheorie weiterschreiben möchte, ich weiß gar nicht, ob das so gut geht in diesem wissenschaftlichen Apparat. So wie Dirk Baecker das macht. Ich habe nicht viel von Dirk Baecker gelesen, aber so wie ich es verstehe bedient er sich bestimmter Tricks, würde ich sagen, um diese Luhmannsche Theorie weiterführen zu können und zwar indem er eigentlich gar nicht mehr über Gesellschaft schreibt und versucht das, was über Gesellschaft gesagt wurde und was es alles gibt, in eine Theorie zu fassen, sondern eigentlich versucht mit dem was als Theorie da ist etwas zu beschreiben, was es gar nicht gibt. Die Zukunft in dem Fall. Ich weiß nicht, ob man damit noch viele kluge Sachen machen kann, aus so einer Perspektive.

Klaus: Das ist eben die Sache, da bin ich auch ein bischen skeptisch, weil schon das Reden über eine neue Gesellschaft ziemlich alt ist. Die ganze Hegelische Theorie ist eine Reflexion der modernen Gesellschaft. Ich habe das übrigens gefunden, schon Hegel hat über eine neue Gesellschaft nachgedacht und er meinte natürlich die moderne Gesellschaft und was wir jetzt haben sozusagen. Sozusagen, dass wir am Ende dieser Schleife neu anfangen. Immerhin Dirk Baecker, ich glaube wir haben darüber schon mal gesprochen. Ob ich da mit Dir, oder mit dem Nils darüber gesprochen habe, ich weiß es nicht mehr, dass er mindestens das Gespräch freigibt, als Professor. Das finde ich schon sehr gut. Aber zunächst Kommunikation als Handlung aufzufassen, dass ist eben ein parasoziologischer Versuch, der eben unter gesicherten sozialen Bedingungen stattfinden kann und der eigentlich immer nur Handlung rechtfertigen lässt und dann eben auch sehr gut und vor allem auch unangreifbar. Denn unangreifbar wird es irgendwann dann, wenn Du jede Kritik äußern kannst und sie nichts zur Sache tut, weil der Apparat ja doch wieder vorhersehbar funktioniert. Habermas tut nichts anderes als durch Ethik und durch Rationalität des Diskurses das zu legitimieren, was immer schon legitimiert ist. Da kannst Du Kritik daran äußern und es spielt keine Rolle. Es geht am Ende immer wieder von vorne los. Die Nachkommen, das ist dann dieser Hartmut Rosa und so, da kommt dann der nächste Professor, ich glaube der ist so ein paar Jahre älter als ich. Der nächste Professor, der nichts anderes tut, als uns jetzt vorzuschlagen, wie wir gut leben könnten. Vielleicht ist seine Theorie das Problem. Vielleicht wollen wir mal kurz auf den Chat hier eingehen. Tim Paul. Kennste den?

Michael: Nö, keine Ahnung, wer das ist. Soll ich mal vorlesen? “Wenn ich mit meinem Computer, etc. rede, dann ist das meiner Meinung nach keine Kommunikation, sondenr nur ein anderer Weg der Befehlserteilung. Klaus kommt zu seiner Annahme nur, wenn er den Zweck ausblendet und selbst dann erscheint mir das höchst zweifelhaft. Frage zur parasozialen Kommunikation: Wenn man telefonierend durch die Stadt spaziert. Da man am anderen Ende einen Gesprächspartner hat, ist es ja gerade nicht parasozial. Oder ist der Akt des Sprechens, den ein dritter beim vorübergehen wahrnimmt dann für diesen parasozial?”

Klaus: Ja, das ist genau der Punkt. Gehen wir den Chat rückwärts zurück. Genau, das ist genau der Punkt. Was würde ich als eine parasoziale Beobachtungssituation auffassen? Ich würde eine parasoziale Beoabachtungssituation auffassen als eine Situation von der Du erstens nicht wissen kannst, ob Kommunikation stattfindet, oder nicht und zweitens, wo Du auch nichts ohne weiteres unternehmen kannst, um das herauszufinden. Also zunächst, stelle Dir vor, Du würdest mit einem Bankautomaten interagieren. Du willst Geld bei einem Bankautomaten abheben. Ganz einfach, Du steckst da Deine Karte rein, dann kriegst Du eine Mitteilung: “Gib deine Geheimzahl ein.”. Dann gibst Du Deine Geheimzahl ein. Dann sollst Du den Betrag angeben. Dann gibst Du den Betrag ein. Dann öffnet sich der Schacht, dann kommt das Geld raus mit der Aufforderung: “Entnimm das Geld”. Dann entnimmst Du das Geld. Und so weiter. Und diesen Ablauf kannst Du nicht stören. Den kannst Du nicht stören, also Du kannst keine Pizza bestellen. Du kannst diesen Ablauf durch keine Handlung stören und weil Du den durch keine Handlung stören kannst, ist das keine Kommunikation.

Michael: Also der Unterschied zwischen trivial und nichttrivial vielleicht?

Klaus: Genau. Im Grunde genommen bist Du in dem Augenblick als Handelnder nichts anderes als ein Maschinenbediener und Du bist dann Teil eines Maschinengeschehens, weil Du Dich genau wie eine Maschine benimmst.

Michael: Ich hätte es ein bischen anders gefasst und zwar ob man unterscheiden kann, diese Sender und Empfänger, nach Selbstauskunftsfähigkeit oder nicht. Die Unterscheidung zwischen Selbstreferenz und Fremdreferenz, ob man die feststellen kann.

Klaus: Ja, zunächst lass uns noch bei diesem Beispiel bleiben. Das heißt, da findet keine Kommunikation statt und zwar deshalb nicht, weil Du diesen Ablauf nicht stören kannst und damit bist Du als Handelnder eigentlich gar nicht auffällig für eine Kommunikation. Damit findet eigentlich auch keine Handlung statt. Sondern es findet eine Maschinenbedienung statt, weil keine Kommunikation stattfindet, die sagt: “Hoppla, Du hast aber irgendwie gehandelt.” oder so. Es findet nichts statt. Etwas ähnliches scheint mir, wenn auch ein bischen komplexer, bei Ameisenbauten vorzufallen, wenn die da irgendwelche Geruchsstoffe hinterlassen. Da werden nur Signale hinterlassen, auf die jemand anderes vorhersehbar reagiert und zwar so und nicht anders. Dann ist das eben keine Kommunikation. Kommunikation ist dann, wenn Du nicht nur Abläufe bemerkst, sondern wenn Du versuchst sie zu stören und wenn diese Störung widerum kommuniziert wird. Sprich, wenn darauf reagiert wird. Wenn also eine Antwort kommt, auf Deine Störung, die für Dich nicht vorhersehbar ist. Dann ist es ziemlich egal, ob das ein Mensch ist, oder eine Maschine. Es kommt dann eben nur darauf an, dass irgendetwas geschieht, das für Dich Überraschungswerte hat.

Michael: Aber wie kannst Du das feststellen, wenn Du selber garnicht involviert bist in die Kommunikation, sondern das nur beobachtest?

Klaus: Das meine ich ja gerade. Das ist ja genau der Punkt. Dann findet Kommunikation statt. Also Kommunikation findet dann statt, wenn Du versuchst zu stören und wenn Du feststellst, Deine Störungsversuche werden beantwortet. Dann findet Kommunikation statt. Die Frage ist dann, findet eigentlich Kommunikation statt, wenn Du versuchst zu stören, Du aber überhaupt nicht weißt, ob Deine Störung kommunikabel ist, oder nicht? Ob sie überhaupt irgendwo anfällt, oder nicht. Stell Dir vor, Du bist also in einer großen Fabrikhalle. Da siehst Du eine Kamera oben und Du siehst da irgendwie so ein rotes Licht blinken und Du siehst da so eine Kamera. Du könntest sagen: “Mindestens ist rotes Licht da. Das heißt also, bestimmt ist Strom an. Aber läuft die Kamera?” Läuft sie überhaupt und sitzt jemand irgendwo vor einem Bildschirm und beobachtet den Bildschirm? Denken wir, Du wärst in einer Notsituation. Du kannst da rumhampeln, soviel Du willst, Du weißt einfach nicht, ob Kommunikation stattfindet und Du hast fast keine Möglichkeit, wenn diese Kamera sagen wir drei Meter, oder vier Meter hoch ist, Du hast keine Möglichkeit da irgendwie dran zu kommen. Du kannst also nichts machen, als immer nur winken, zappeln und so. Das Ausbleiben einer Antwort bringt Dich immer nur zu sagen: “Naja, vielleicht findet doch noch Kommunikation statt.” Aber Du weißt es einfach nicht und Du hast keine Chance. Dann würde ich sagen, das ist eine parasoziale Beobachtungssituation. Parasozial, weil Du keine Chance hast, einfach herauszufinden, ob Kommunikation stattfindet, oder nicht. Das wäre so ein typischer Fall. Es könnte sein. Es könnte vor einem Bildschirm irgendwo jemand sitzen, der Dich da hampeln sieht, aber einfach nicht reagiert. Es könnte aber auch sein, dass da vielleicht Strom ist – das könnte Dich nur darüber informieren, weil Strom eingeschaltet ist – dass sich eine Gesellschaft funktioniert. Das kann Dich sicher noch darüber informieren, denn irgendwo muss der Strom ja auch herkommen. Irgendjemand wird die Stromrechnung bezahlen. Also Gesellschaft funktioniert bestimmt irgendwie. Aber in Deiner Situation kannst Du durch Dein Handeln keine Kommunikation mehr herstellen, bzw. bleibst immer im Unklaren darüber, ob Kommunikation hergestellt wurde, oder nicht. Das ist eine parasoziale Beobachtungssituation.

Michael: Kann man sich auch Gewissheit darüber verschaffen, dass es tatsächlich eine parasoziale Kommunikation ist?

Klaus: Du kannst es eben nicht mehr. Das ist ja genau der Punkt. Du steht dann nur noch davor da und kannst nur noch in diese Kamera winken und Du hast einfach keine Möglichkeit mehr. Es gab mal einen Fall, das fand ich total interessant, hab ich gelesen. Das ist schon ein paar Jahre her, das hat mich total fasziniert, da wurde erzählt, in St. Peter Ording oben am Wattenmeer, da sei angeblich ein Fotograf irgendwann im Winter… der sei da ins Wattenmeer gegangen und da hätten sich Eisschollen aufgetürmt, die über 1,80 Meter hoch waren. Eisschollen hätten sich aufgetürmt und er ist in dieses Wattenmeer gegangen und dann auf einmal brach die Dunkelheit herein und dann hat er sich nun in diesen Eisschollen verlaufen. Der konnte auf einmal, weil die Dunkelheit hereinbrachte, Land und Meer nicht mehr sehen, weil das Land für ihn genau so dunkel war, wie das Meer. Er hatte die Orientierung verloren, durch diese Eisscholle. Er ist in ein Labyrinth gelaufen. Was hat dieser Typ, so wurde berichtet, gemacht? Der hat, weil er Fotograf war, er hatte ein Blitzgerät dabei. Er ist einfach hochgesprungen und hat immer wieder Blitze, hat immer wieder sein Blitzgerät betätigt. Und was ist passiert? Es passierte wohl. Am Ufer stand eine Webcam, die sich alle zwei Minuten, oder drei Minuten aktualisierte und irgendwo in Süddeutschland muss wohl eine Frau vor einem Bildschirm gesessen haben, die diese Webcam beobachtet hat und die hat aber diese Lichtblitze gesehen und hat auf die Uhr geguckt. Es war Abends und dunkel. Dann hat sie in St. Peter Ording bei der Polizei angerufen und hat gefragt: “Was ist da wohl?”. Dann ist die Polizei da hingefahren und hat die den befreit.

Michael: Das ist abwegig.

Klaus: Gelesen halt. Internet halt. Stimmt die Geschichte, oder stimmt sie nicht.

Michael: Ich kann es kaum glauben, aber es ist nicht unmöglich.

Klaus: Ja, nicht wahr? Ist es möglich, oder nicht? Es kann vielleicht sein. Es ist sehr sehr unwahrscheinlich, aber es kann vielleicht sein. Das wäre so eine Situation. Der Typ steht da, er weiß, gleich kommt das Wasser. Er hat überhaupt keine Chance mehr. In jede Himmelsrichtung sieht die Landschaft gleich aus im Dunkeln. Du hast keine Chance mehr. Das ist eine parasoziale Beobachtungssituation. Parasozial. Also noch nicht ganz sozial hergestellt. Vielleicht. Und eben: Du kannst auf Zukunft nicht so einfach hoffen.

Michael: Christorpheus hat dazu auch eine Frage, und zwar, ob wir den Begriff am Beispiel des Phänomens des Bücherverschenkens, also #bzv, einordnen können und ob parasoziale Interaktion in diesem Beispiel eine Rolle spielt.

Klaus: Da nicht, weil ja da genau das passiert, da kommen sofort Adressen ins Spiel. Ist ja klar. Ich verbreite einfach die Mitteilung…

Michael: Wobei eine Adresse ja noch keine Sicherheit darüber gibt, ob es nicht doch parasoziale Interaktion sein könnte.

Klaus: Ja, aber da kann ich etwas unternehmen. Hier ist die Situation die, dass ich etwas unternehmen kann. Also hier habe ich @Netzfalter beispielsweise, ich weiß nicht, wer das ist. Oder ich sage nicht, wer das ist, ich habe ja eine Adresse bekommen. Ich habe von Netzfalter eine Adresse bekommen. Ich habe also an Netzfalter ein Buch geschickt und natürlich – er kann natürlich die Adresse seines Nachbarn angegeben haben. Ich weiß es nicht, aber ich kann mir denken: Ich habe mindestens eine Twitteradresse.

Michael: Ja, und wenn das Buch nicht wieder an Dich zurückgeht, kannst Du auch davon ausgehen, dass es zumindest irgendwo angekommen ist.

 

Diese Transkription umfasst in etwa die ersten 40 Minuten des Gespräches. Im nachfolgenden Teil ergänzen Klaus und ich uns gegenseitig unsere Sätze. Ferner schauen wir Abschnittsweise ein Video und lockern die Form des Gespräches. Daher nur bis hier.

Ein Gedanke zu „Transkription: Parasoziale Beobachtungsverhältnisse“

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